Rupert Eder /// the light we see
 

     
     

    The light we see

     
    „Ich bin ein Maler“, sagt Rupert Eder ebenso selbstbewusst wie selbstverständlich, gelassen in seiner klaren Sprache. Und es klingt weder banal, noch ist es dieses kokettierende, untertreibende „Ach ja, ich bin ja nur ein Maler..“. Nein, Rupert Eder meint das durchaus sehr ernst und sehr handfest: Malen ist ein Handwerk, das man beherrschen muss, will man denn ein Maler sein wie Rupert Eder. Es ist sein Handwerk, und er beherrscht es meisterlich.
     
    Zur Zeit ist der Künstler, der am bayerischen Ammersee leben und arbeiten darf, doppelt präsent im rheinischen Raum: in Köln zeigt er Malerei unter dem Titel „the light inside us“; in der Bonner Galerie MultiArt hier bei Linde Trottenberg „the light we see“. Rupert Eder stellt uns ganz aktuelle Arbeiten aus den letzten Monaten vor. Schon im Treppenaufgang sind uns zwei Bilder begegnet, die eine erstaunliche Kraft entfalten.
    Die beiden Werke mit dem Titel „solo rotor“ gestalten den großen, hohen Raum dieses Treppenhauses, schaffen trotz ihres kleinen Formats von 30 x 30 cm Tiefe und Verortung. Rupert Eder bescheidet sich auf die Fläche, das Zweidimensionale des Gemäldes und erwirkt dennoch eine skulpturale Dimension.
    Eder interessiert der Raumbezug, die Korrespondenz zur Architektur, das richtige Maß. So lag und liegt es nahe, sich mit Kunst am Bau zu befassen. Das hat beispielsweise zur Fertigung einer faszinierenden, über zwei Etagen laufenden Raumgestaltung im Ammerseegymnasium Dießen geführt, die 2006 entstand. Dass Rupert Eders Frau Monika in ihrem eigenen Architekturbüro arbeitet, befördert das Gespräch und den künstlerischen Austausch über solche Themen im Hause Eder zusätzlich.
     
    Fähig und bereit zum Dialog ist der Künstler mit seinem charmanten bayerischen Idiom und einem abgeschlossenen Philosophiestudium ohnehin. So klar und prägnant er seine Worte findet und setzt, so unverfälscht und direkt bringt er auch Farbe und Formen auf die Leinwand oder das Papier.
    Das Thema der Rotoren beschäftigt den Künstler schon länger, es hat sich längst weiterentwickelt und verselbständigt. Mehrere große Formate „Farbrotoren“ sind die jüngsten Ergebnisse dieses Prozesses aus dem noch relativ jungen Jahr 2009. Jeweils vier Farbbalken kreisen um eine rechteckige Binnenform, verbinden sich zu einem Farbpuzzle über- und untereinanderlagernder Balken. Man meint noch den energievollen Pinselgestus des Künstlers beim Farbauftrag zu spüren, die Dynamik des Malprozesses.
     
    Nach landläufiger Vorstellung würde man solche Arbeit wohl abstrakt nennen. Doch Rupert Eder malt nicht abstrakt, da er – wie er selber formuliert – von nichts abstrahiert. Die Bilder selbst sind die Wahrheit, nicht das, was man meint dahinter zu sehen oder zu verstehen. Es gibt nichts Narratives, nur die Suche nach der Schönheit.
     
    So spielt Rupert Eder auch nicht mit dem Begriff der Wirklichkeit, allenfalls gibt er uns Betrachtern Antworten auf Fragen, die er uns nie stellen würde: Ist das Bild das, was wir sehen oder das, was der Maler geschaffen hat oder gar das, was wir optisch mit unserem Gehirn ergänzen? Für Eder spielt das keine Rolle. Wahr ist das, was er mit der Farbe auf einen Bildgrund bringt. Und so malt er eben nicht abstrakt, sondern gegenstandsfrei. Der Betrachter ist völlig frei in dem, was er auf der Leinwand zu erkennen glaubt. Und der Künstler ist immer gerade ganz bei dem Bild, das er in den vielen Augenblicken malt. Immer ist die Arbeit, die unter dem Pinsel entsteht, die spannendste.
     
    Rupert Eder fühlt sich neben vielen anderen Vorbildern besonders auch den Renaissancekünstlern wie zum Beispiel Masaccio nahe. Dazu mögen längere Italienaufenthalte genauso beigetragen haben wie die Faszination für deren Umgang mit Farben. Rupert Eder mischt sich seine Farben mit Pigmenten selber. Er beherrscht den Umgang mit feinsten Nuancen perfekt.
     
    So wie in der dreiteiligen Arbeit „Earth“, die bei längerer Betrachtung sogar Blautöne durchschimmern lässt. Dieses Bild gehört zu den so genannten „Cut Ups“ – mehrteiligen Werken, die durch einen schmalen Spalt einem Triptychon gleich voreinander getrennt sind. Die einzelnen Bildtafeln sind gegeneinander verschoben; manchmal scheinen sie wie unbeabsichtigt um einen Zentimeter verrückt, knapp daneben. So stolpert das Auge in gewisser Hinsicht immer wieder bei der Betrachtung dieser „Cut Ups“, sucht neue Orientierung und Verankerung. Der Blick erarbeitet sich seinen Weg durch diese Bilder fast wie in einem Labyrinth, aus dem es aber kein Entkommen zu geben scheint.
     
    Dieses Vexierspiel macht Spaß und irritiert zugleich, zumal unser Gehirn für kurze Momente immer wieder Linien zusammenführt, die eigentlich nicht zueinander passen.
     
    Auch wenn Rupert Eder gegenstandsfrei malt, nimmt er die ihn umgebende Natur selbstverständlich wahr – zumal in seiner schönen bayerischen Heimat am Ammersee. Er liebt das Spiel des Lichts, und auch die Weite, die er am Meer findet. Obwohl oder vielleicht weil er gerade völlig autark in seinem künstlerischen Tun ist, sucht Eder auch den Dialog mit Künstlerkollegen – so beispielsweise in etlichen Gruppenausstellungen wie zuletzt mit Joe Barnes, Jon Groom und Ivo Ringe.
     
    Doch letztlich geht er seinen ganz eigenen Weg, völlig unbeirrt und überzeugend: „Was ich hier mache, ist reines Tun, reines Handeln, und daraus entstehen die Bilder, ohne einen theoretischen Überbau, ohne eine Vorlage aus der Wirklichkeit, es ist ein reines Arbeiten und Vorankommen in der Malerei“ (Rupert Eder).
     
     
    Dr. Barbara Hausmanns, Kunsthistorikerin


     

    (General-Anzeiger Bonn, 14.5.2009)