Reinkarnation eines Computerboards

Wie sieht das Nachleben eines High Tech Produktes aus, wenn es seinen Zweck erfüllt hat? Hat es noch einen Wert, wenn es veraltet und sein Nutzen verloren gegangen ist? In Zeiten ökonomisch sorgfältig geplanter Nutzlosigkeit stellt sich die Frage nach Wertigkeit und Wertverlust.

“Motherboard” (MB) – einst Gehirn eines der schnellsten Parallelrechner der Welt – entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zu einem Objekt, das nutzlos wurde. Ist es deshalb auch wertlos? Worin liegt seine Werthaftigkeit bei gleichzeitigem Verlust seines Nutzens?

“Motherboard” repräsentiert die Vernetzung wissenschaftlicher Anstrengungen, den Umgang mit der Welt schneller und kontrollierbar zu machen. “Motherboard” ist heute auch eine Metapher für den materiellen Werteverfall.

Was bleibt, ist die Schönheit des Objekts: die Ästhetik der Funktionalität, die Inkarnation von Enthusiasmus, Zeitgeist und intellektueller Brillanz. Über 200 Wissenschaftler aus aller Welt haben zu dieser technischen Höchstleistung beigetragen, haben Welten vernetzt, die Kommunikation effizienter gemacht.

Fünf Künstler aus verschiedenen Kontinenten huldigen dieser Ikone menschlichen Erfindungsgeistes, in dem sie auf ihre Art diesen kreativen Prozess wiederholen: sie beseelen die Objekte mit neuer künstlerischer Magie, transformieren sie zum Kunstwerk, definieren sie neu und dynamisch: auf ihrem Weg als Teile einer Wanderausstellung durch verschiedene Städte werden sie ergänzt und neu positioniert.

Da gibt es die museale Überhöhung des MB zum Museumsstück, das MB als Pixelstrickteil, das (zeit-)geisterähnlich durch die Luft schwebt, einen Computerboard-Reliquienaltar, den Digital-Sklaven, vernetzte Organsäulen, Nudelschläuche als Informationskanäle und vieles mehr, was Technik-Liebhaber und Freunde hintergründigen Humors begeistert.
 
 
Zur Sache 
 
Auf Anregung der Kunstagentur MultiArt International wurde den Künstlern Gelegenheit gegeben, die wenigen noch vorhandenen Computerboards des in den späten 80er Jahren entwickelten SUPerREchners für NUmerische Anwendungen, kurz SUPRENUM, nach ihren eigenen Vorstellungen in Kunstobjekte zu verwandeln und sich von ihnen inspirieren zu lassen, frei und ohne Vorgaben. Jedes der SUPRENUM-Computerboards ist ein 25×50 cm großes, rechteckiges Objekt, bei dem auf einer Leiterplatte Rechen-, Speicher- und Kommunikationseinheiten installiert sind.
 

Linde Trottenberg

Die Künstler:

Doug FitchLars J. JonssonGiovanna AguierreEva OhlowKalman Varady

 

ständige Ausstellung
SCAI + Fraunhofer-Haus; Fraunhofer Gesellschaft, München;
Hansastr. 27c, 80686 München


 
15. Mai – 30. Juni 2006
Fraunhofer-Haus; Fraunhofer Gesellschaft, München;
Hansastr. 27c, 80686 München


 
July 4th, 2004 – September 19th, 2004
Deutsche Arbeitsschutzausstellung DASA, Dortmund

November 3rd, 2003 – December 12th, 2003
houseart, Fraunhofer IGD, Darmstadt


 
September 8th, 2002 – October 24th, 2002
KunstWERK in der alten Weberei, Langenfeld

July 2002 Fraunhofer Gesellschaft
Schloss Birlinghoven, Sankt Augustin

 
March 31st, 2002 – April 28th, 2002
Deutsches Museum Bonn