Fotografische Impressionen von Friedrich Monzel
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht ein ganz aktuelles Motiv: das neue DOMFENSTER von Gerhard Richter in Köln. Gerhard Richter hat diese Fotos als “sehr interessant” bezeichnet.
Neben den “Köln-Motiven” werden Fotografien zum Thema Natur gezeigt, aufgenommen auf Reisen durch Neuseeland und Schweden.
Der Künstler hat alle Fotos mit bewusst bewegter Kamera aufgenommen. Das Stilmittel “Bewegungsunschärfe” verfremdet seine Motive, verleiht den Fotos durch rätselhafte Lichteffekte etwas Geheimnisvolles, die sie wie abstrakte Gemälde erscheinen lassen.
Philosophie
Fotografische Impressionen
Diese Ausstellung ist nach den Ausstellungen in der Werbeagentur Selinka-Schmitz in Köln und in dem Museum Eksjö in Schweden die 3. Ausstellung des Künstlers in diesem Jahr.
Im Mittelpunkt der gezeigten Fotografien steht ein ganz aktuelles Motiv: das neue DOMFENSTER von Gerhard Richter in Köln.
So wie für die Fotografie von Friedrich Monzel Licht und Farbe von zentraler Bedeutung sind, so hat Gerhard Richter in diesem beeindruckenden abstakten Fenster Licht – übrigens ein urchristliches Thema – und auch Farbe zu einem einmaligen, durchaus spirituellen Werk vereint.
Das DOMFENSTER, das ja schon für viele Diskussionen gesorgt hat, hat der Künstler in einer besonderen Situation fotografiert:
Alle Bilder des DOMFENSTERS – mit Ausnahme des großformatigen Bildes „Entfesselte Kunst“ – sind am 22.08.2007 vor der Einweihung des DOMFENSTERS entstanden.
Fotografiert wurde das zum damaligen Zeitpunkt noch von einem schwarzen Tuch verhüllte Fenster durch zwei Sehschlitze, die nur einen schmalen Ausschnitt des bereits fertiggestellten Fensters erkennen ließen. Eine Situation, dessen Vergänglichkeit den Fotografen genauso faszinierte wie inspirierte.
Das mittlere Bild des Triptychons „Sinfonie des Lichts“ zeigt diese an sich eigentlich unspektakuläre Situation, aus der durch die besondere Technik von Friedrich Monzel die unterschiedlichsten Impressionen ein und desselben Motivs entstanden sind.
Der Künstler hat diese Fotos mit bewusst bewegter Kamera aufgenommen, die er über diese schmalen Sehschlitze „gezogen“ hat. Er hat sozusagen „mit der Kamera gemalt“. Dabei sind aus den einzelnen, sichtbaren Farbquadraten farbige Streifen geworden, die abhängig von Belichtungsdauer und Bewegungsintensität unterschiedliche Impressionen hervorrufen.
Interessanterweise spielt auch bei dieser Aufnahmetechnik, wie bei der Gestaltung des DOMFENSTERS durch Gerhard Richter, der Zufall eine Rolle. Wie Sie wahrscheinlich wissen, hat Gerhard Richter mit dem Computer als Zufallsgenerator die Anordnung der Farbtöne bestimmt.
Diese Fotografien von Friedrich Monzel sind bei dem jetzt komplett sichtbaren Fenster nicht mehr zu reproduzieren, da die aus der Kamera-Bewegung resultierenden streifenförmigen Licht- und Farbeffekte sich jetzt überlagern würden. Gerhard Richter, dem der Fotograf noch vor der Einweihung des DOMFENSTERS einige Fotografien geschickt hat, hat diese Fotos in seinem Antwortschreiben auch als „sehr interessante Fotos“ kommentiert – und sie damit in gewisser Weise geadelt.
Das fotografische Werk von Friedrich Monzel ist generell gekennzeichnet durch das Stilmittel der Bewegungsunschärfe. Dabei bedeutet Bewegungsunschärfe nicht – wie üblicherweise – dass sich das Motiv bewegt, sondern stationäre, „unbewegte“ Motive werden durch bewusste Bewegung der Kamera bei relativ langen Belichtungszeiten verfremdet.
Dieses Stilmittel generiert besondere, überraschende und, wie schon erwähnt, manchmal auch zufällige Effekte, die die Fotos oft wie Gemälde erscheinen lassen und an abstakte Malerei erinnern.
Die Fotografie als Medium wird von Friedrich Monzel nicht primär zur Dokumentation der Wirklichkeit eingesetzt, sondern eher zum Ausdruck von Stimmungen. Die Fotografie von Friedrich Monzel will nicht objektiv sein sondern hat sich der Subjektivität verschrieben.
Das Stilmittel „Bewegungsunschärfe“ verfremdet Alltagsmotive wie „Wald“ oder Postkartenmotive wie „Kölner Dom“ und „Sonnenuntergang“. Die Bewegungsunschärfe verleiht den Fotos etwas Geheimnisvolles und sie überraschen oft durch besondere, manchmal geradezu rätselhafte Lichteffekte.
Bei den Lichtstreifen in den Bildern „Dom – Hohenzollernbrücke – St. Kunibert“ handelt es sich nicht um Autorücklichter oder Schiffsbeleuchtungen, sondern um die Positionslichter der Hohenzollernbrücke, die mit einer Belichtungszeit von 1 – 2 Sekunden quasi in das eigentliche Motiv „hineingezogen“ wurden.
Die aus der Unschärfe resultierende Abstraktion wird dabei so dosiert, dass die fotografierten Motive noch gerade zu erkennen oder zumindest zu erahnen sind. Dadurch vermeidet der Künstler eine Beliebigkeit seiner Fotos.
Neben den „Köln Motiven“ werden im zweiten Raum dieser Ausstellung Fotografien zum Thema „Natur“ gezeigt. Insbesondere der aus neun Bildern bestehende Block „native bush“, ein in Neuseeland fotografierter Farnwald, besticht durch eine ausgesprochene Dynamik, die aus einem gezielt eingesetzten Effekt von Licht, Bewegung und kurzer Brennweite resultiert.
Demgegenüber üben die Arbeiten „Hommage an Mark Rothko“, welche die Stimmung nach einem Sonnenuntergang darstellen, eine ausgesprochen beruhigende Wirkung aus. Unterschiedliche Farbigkeit wird durch die gezielte Veränderung des Weißabgleichs herbeigeführt. Hier werden die Assoziationen zu den Gemälden von Mark Rothko besonders deutlich.
Die Fotografien von Friedrich Monzel entstehen häufig auf Reisen, hier ausgestellt sind u.a. auch Bilder aus Neuseeland und Schweden.
Zu der besonderen Technik des Künstlers ist anzumerken, dass die Fotos nicht digital manipuliert sind. Die Situationen sind vorgefunden, quasi „langbelichtete Schnappschüsse“, die ihre Anmutung aus der Bewegungsunschärfe und den Licht- und Farbeffekten beziehen. Variiert werden Belichtungszeiten, Schnelligkeit der Kamerabewegung und gelegentlich die Einstellung des Weißabgleichs.
Alle Bilder sind frei aus der Hand, d.h. ohne Stativ, aufgenommen. Die Bilder erhalten durch diese „Nichtperfektion“, z.B. durch die nicht exakt geraden Linien, ihre Lebendigkeit Friedrich Monzels Fotografien sind Lichtgemälde der unterschiedlichsten Motive, die durch die Klammer der gezielt und gekonnt eingesetzten Bewegungsunschärfe zusammengehalten werden.
Dr. Christiane Stahl, Leiterin Alfred-Ehrhardt-Stiftung Köln